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Vom barocken Prachtgarten bis zum Bauerngarten unserer Großmutter: Gärten waren immer schon weit mehr als der bloße private Rückzugsort im Grünen. Sie sind seit jeher Ausdruck unserer Sehnsüchte, Spiegel kultureller Epochen, produktive Nutzflächen sowie Erholungsraum – und heute, in einer zunehmend versiegelten Welt, unverzichtbare ökologische Trittsteine. Die folgenden Projekte zeigen diese Spannweite auf: Von der privaten, essbaren Landschaft eines modernisierten Gehöfts bis hin zur historischen Spurensuche und besinnlichen Gestaltung eines Gartens, der dem massiven Strom von Millionen Besuchern trotzt.
LANDSCHAFTSARCHITEKTUR AUS LICHT UND LAUB
Meditationsgarten Kartause Aggsbach von land.schafft©
In der Kartause Aggsbach im Welterbe Wachau wird Geschichte nicht bloß rekonstruiert, sondern als „Grüne Architektur“ weitergeschrieben. Nach Georadarmessungen und jahrelangen archäologischen Grabungen zeichnete Alfred R. Benesch den Großen Kreuzgang und die Zellen der Mönche exakt an ihrer historischen Stelle nach. Schwimmende Betonplatten dienen dabei als Schutzschicht für das empfindliche Bodendenkmal und tragen gleichzeitig eine filigrane Stahlkonstruktion. Mittels Spanndrahtverflechtungen werden die einstigen Mauern durch Berankung wieder als Raumvolumen sichtbar und durchschreitbar. In den zugehörigen Gärten herrscht radikale Reduktion: Nur Wiese und einzelne Obstbäume strukturieren den Raum. Ein besonderes Detail: Die Bäume stammen von historischen Edelreisern aus dem Pariser Jardin du Luxembourg – eine lebendige Verbindung zur klösterlichen Gartenkunst des 18. Jahrhunderts. So wird aus einer wissenschaftlichen Grabungsstätte ein grüner Rückzugsort, der die Geschichte erfahrbar macht.






(c) DI Dr. Alfred R. Benesch
STREUOBST UND STRUKTUR
Schmiedgut in Bad Aussee von Karin Standler Landschaftsarchitektur
Auf einem Hügel im Ausseerland liegt das Schmiedgut, eine historische Streusiedlung aus Schmiede, Haupthaus, Scheune und „Ausziehhäusl“. Für die Nutzung als Ferienapartments aufwendig renoviert und durch zwei moderne Neubauten ergänzt, brauchte das Ensemble einen Freiraum, der zwischen alter Substanz und neuer Formensprache vermittelt. Karin Standler antwortete darauf mit einer alles verbindenden „essbaren Landschaft“. Alte Apfelsorten treffen hier auf neue, junge Nussbäume, während rund um die Häuser ein Naschgarten mit einer Vielfalt an Beeren lockt. Das Herzstück der Anlage bildet das „Dorfplatzl“ vor dem Haupthaus: eine versickerungsoffene Kiesfläche mit großen Granitplatten, die zum Austausch an einem langen Tisch einlädt. Zwischen duftenden Rosenbeeten und der markanten Bergkulisse betten sich ein Naturpool und ein Glashaus ganz selbstverständlich in das Gelände. So wird diese Landschaft zum verbindenden Element eines Ensembles, das die bäuerliche Tradition des Ausseerlands ganz selbstverständlich in die Gegenwart übersetzt.






(c) Lorenz Masser und Karin Standler Landschaftsarchitektur
GARTEN MIT GEDÄCHTNIS
Orangerie-Garten Stift Melk von land.schafft©
Wer das Stift Melk besucht, wandelt auf Weltkulturerbe. Dass auch der Garten vor dem Stiftsrestaurant ein archäologischer Schatzkasten ist, zeigten die Grabungen von Alfred R. Benesch: Unter der Oberfläche fanden sich die Skelette barocker Treib- und Glashäuser sowie Kuchlgärten. Die Neugestaltung des 3.000 m² großen Areals ist nun eine meisterhafte Übung darin, die Ästhetik des 18. Jahrhunderts in die Belastbarkeit der Gegenwart zu übersetzen. Zwei „Baum-Säle“ aus Schirm-Platanen empfangen die Besucher und schaffen schattige Rückzugsorte im massiven Touristenstrom. Das eigentliche Parterre wurde in Anlehnung an einen barocken Entwurf aus dem Stiftsarchiv gestaltet: Ein Raster aus Natursteinplatten markiert im historischen „Klaftermaß“ die Standorte der historischen und heutigen Pflanzkübel, die wie grüne Skulpturen den Raum rhythmisieren. Diese Pflanzgefäße wurden eigens dafür entworfen und von den stiftseigenen Werkstätten hergestellt. Wo früher Beete die Wege einschränkten, erlaubt heute eine flächige Gestaltung volle Bewegungsfreiheit für die jährlich zwei Millionen Gäste. Den akustischen und visuellen Mittelpunkt bildet ein neues Wasserspiel: Eine riesige Edelstahlschale, aus der ein gleichmäßiger Wasservorhang in die Tiefe fällt. So wird der ehemalige Orangerie-Garten vom bloßen Durchgangsraum wieder zu einer herrschaftlichen Visitenkarte des Stiftes.







(c) DI Dr. Alfred R. Benesch
HOLZ MIT HORIZONT
Mustergarten „Holz im Garten“ von DI Dr. Franz R. Grossauer
Angesichts des Klimawandels und des Umbaus unserer Wälder zu nachhaltigen Mischwäldern rückt der nachwachsende Rohstoff Holz als klimafreundliche Lösung für den Außenraum in den Fokus. Im Mustergarten auf der „Garten Tulln“ inszeniert Franz R. Grossauer das Material nicht nur als Belag, sondern als barrierefreie, dreidimensionale Skulptur, die Wissen vermittelt und gleichzeitig zum Verweilen einlädt. Die dynamische Holzterrasse ist Treffpunkt, Liegelandschaft und technisches Anschauungsobjekt zugleich: In der Horizontalen werden verschiedene Verlegearten präsentiert, während an den Wänden der aktuelle Stand der Technik erläutert wird. Eingerahmt wird die Konstruktion von einer robusten, hitzeverträglichen Staudenpflanzung, die von April bis Oktober blüht. So zeigt der Schaugarten, dass durch technisches Know-how, regionale Rohstoffe und moderne Gestaltung die Basis für eine klimawandelangepasste Gartengestaltung geschaffen werden kann.




(c) Dr. Franz R. Grossauer






















